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Cholera
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Cholera („Gallenfluss“, Bezeichnung fĂŒr ‚Durchfallserkrankung‘,cite-ref-1[1] wie mittellateinisch colera von lateinisch cholera, griechisch Ï‡ÎżÎ»Î­ÏÎ± cholĂ©ra, von Ï‡ÎżÎ»Îź cholᾗ ‚Galle‘), auch Cholera asiatica (asiatische Cholera), Gallenbrechdurchfall (frĂŒher auch Gallenruhr) oder blauer Tod,cite-ref-2[2] ist eine schwere bakterielle Infektionskrankheit vorwiegend des DĂŒnndarms, die durch das Bakterium Vibrio cholerae verursacht wird. Die Infektion erfolgt zumeist ĂŒber verunreinigtes Trinkwasser oder infizierte Nahrung. Die Bakterien können extremen Durchfall (mit „ReiswasserstĂŒhlen“) und starkes Erbrechen (Brechdurchfall) verursachen, was zu einer Exsikkose durch Elektrolytverlust mit Untertemperatur und Kollaps fĂŒhren kann. Obwohl die meisten Infektionen (etwa 85 Prozent) ohne Symptome verlaufen, betrĂ€gt die LetalitĂ€t bei Ausbruch der Krankheit unbehandelt zwischen 20 und 70 Prozent.

Die in Ostasien endemische Cholera („Cholera asiatica“, „Asiatische Cholera“, „Cholera Morbus“) trat auf dem indischen Subkontinent vermutlich (ausgehend vom Gangesdeltacite-ref-3[3]) ĂŒber mehrere Jahrhunderte in Form lokal begrenzter Epidemien auf, war aber auf anderen Kontinenten unbekannt. Die erste Pandemie trat im Zeitraum 1817 bis 1824 auf und betraf Teile Asiens sowie Ostafrika und Kleinasien und in der Folge Russland und Europa. 1830 trat sie in Ostgalizien und Ungarn auf, im Juni 1831 in Wien.cite-ref-4[4] Erste Erkrankungen in Deutschland erfolgten 1831.cite-ref-5[5]cite-ref-6[6] Der 1854 vom Arzt John Snow erbrachte Nachweis, dass eine Choleraepidemie im Londoner Stadtteil Soho in Zusammenhang mit verunreinigtem Trinkwasser stand, gilt als Geburtsstunde der modernen Epidemiologie.cite-ref-7[7] Die Cholera-Epidemie von 1892, bei der in Hamburg ĂŒber 8600 Menschen starben, gilt als eine der letzten schweren Choleraepidemien auf dem europĂ€ischen Kontinent.

Bei der Cholera-Epidemie seit 2017 im Jemen gab es (Stand April 2019) ĂŒber 1,7 Millionen VerdachtsfĂ€lle und fast 3500 bestĂ€tigte TodesfĂ€lle.

Vibrio cholerae, der Erreger der Cholera, wurde – unbeachtet von der Öffentlichkeit – 1854 von Filippo Pacini beschrieben und 1883 von Robert Koch im Darm von an Cholera Gestorbenen entdeckt. Koch konnte beweisen, dass der von ihm „Kommabakterium“ genannte Erreger von KeimtrĂ€gern ausgeschieden wird und sich im Wasser weiterverbreiten kann.cite-ref-8[8] Ebenfalls 1854 beschrieb der Katalane Joaquim Balcells i Pascual den Erregercite-ref-real-academia-de-la-historia-2018-9-0[9]cite-ref-10[10] und 1856 wahrscheinlich die beiden Portugiesen AntĂłnio Augusto da Costa SimĂ”es und JosĂ© Ferreira de Macedo Pinto.cite-ref-real-academia-de-la-historia-2018-9-1[9]cite-ref-11[11]

Die Krankheit kann epidemisch auftreten und ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz meldepflichtig.

Contents

‱ Erreger
‱ Vorkommen
‱ Infektion
‱ Diagnose
‱ Behandlung
‱ Vorbeugung
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Erreger

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Hauptartikel

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Vibrio cholerae

Die Cholera wird durch die Bakterienart Vibrio cholerae ausgelöst, deren Exotoxin (das Choleratoxin) zu starkem, reiswasserartigem Durchfall (nahezu flĂŒssig wie Wasser mit einer weiß-trĂŒben FĂ€rbung) mit großem FlĂŒssigkeitsverlust fĂŒhrt.

Der Erreger wurde erstmals von Filippo Pacini 1854 als gekrĂŒmmtes, kommaförmiges und hochbewegliches Bakterium beschrieben. John Snow erkannte ebenfalls 1854, dass die herrschende Cholera in London nicht durch DĂŒnste (Miasmen) verbreitet wurde, wie seinerzeit allgemein angenommen wurde. Robert Koch zĂŒchtete 1884 zusammen mit Bernhard Fischer und Georg Gaffky in Indien den Erreger aus dem Darm verstorbener Patienten in Reinkultur an.

Neuere Erkenntnisse zeigten außerdem, dass das letztlich krankheitsauslösende (pathogene) Choleratoxin durch einen DNA-Abschnitt des Vibrio cholerae exprimiert wird, der ursprĂŒnglich von einem Bakteriophagen der Art Vibrio virus CTXphi stammt.

Vorkommen

Cholera tritt hÀufig in LÀndern auf, in denen Trinkwasser- und Abwassersysteme nicht voneinander getrennt sind und daher das Trinkwasser hÀufig mit Choleraerregern verunreinigt ist. Diese Erreger finden sich vor allem in Kot sowie in Fluss- und Meerwasser, in welche FÀkalien eingeleitet werden. In diesen GewÀssern besiedelt es hauptsÀchlich chitinhaltiges Plankton und befÀllt dadurch Fische, Vogeleier, Insekteneier und Austern.

In IndustrielÀndern ist durch Wasserwerke und KlÀranlagen eine ausreichende Versorgung der Bevölkerung mit hygienisch einwandfreiem Trinkwasser gewÀhrleistet, so dass CholerafÀlle selten sind.

Eine Modellierungsstudie von 2015 schÀtzte die Fallzahl weltweit auf 1,4 bis 4 Millionen und 21.000 bis 143.000 TodesfÀllen. Nur ein Bruchteil des Infektionsgeschehens wird durch das Meldesystem der WHO erfasst.cite-ref-epibullbd143639-12-0[12]

Infektion

Übertragung

Cholerabakterien gelangen in erster Linie ĂŒber fĂ€kalienverunreinigtes Trinkwasser, weniger ĂŒber erreger-kontaminierte Lebensmittel oder GebrauchsgegenstĂ€nde in den Verdauungstrakt des Menschen. WĂ€hrend das Bakterium im Wasser in einem harmlosen Stadium ist, kann es dank der Proteine ToxR und ToxS GallensĂ€uren erkennen. Erst danach baut sich das Bakterium um und beginnt mit der Produktion des Cholera-Toxins.cite-ref-13[13]

Bei Gesunden ist die Aufnahme von mehr als einer Million Bakterien notwendig um die Erkrankung auszulösen, da das Bakterium durch die MagensĂ€ure abgetötet wird. Bei Menschen mit einer herabgesetzten SĂ€urebarriere des Magensaftes reduziert sich diese Infektionsdosis auf rund 100–1000 Bakterien.cite-ref-14[14]

Eine direkte Übertragung von Mensch zu Mensch wird fĂŒr möglich gehalten, gilt aber als eher seltenes Ereignis.cite-ref-15[15]

Erkrankte scheiden das Bakterium meist rund eine Woche aus, wobei es auch FÀlle mit deutlich lÀngerer Ausscheidungsdauer gibt. Asymptomatisch Infizierte eliminieren den Erreger zumeist binnen eines Tages.cite-ref-epibullbd143639-12-1[12]

Symptome und Beschwerden

Nur in etwa 15 Prozent der FĂ€lle fĂŒhrt eine Infektion mit dem Erreger zum Ausbruch der Krankheit – nach einer Inkubationszeit von 2 bis 3 Tagen.

Die Cholera verlÀuft dann meist in drei Stadien:

1. Stadium mit Brechdurchfall mit hĂ€ufig dĂŒnnflĂŒssigem Stuhl, oft mit Schleimflocken durchsetzt („Reiswasserstuhl“) und selten mit Schmerzen im Bauch.
2. Stadium des FlĂŒssigkeitsmangels (Exsikkose). Dabei kommt es zu Untertemperatur und zu einem auffĂ€lligen Gesichtsausdruck mit spitzer Nase, eingefallenen Wangen und stehenden Hautfalten.
3. Stadium der allgemeinen Körperreaktion mit Benommenheit, Verwirrtheit, Koma und Hautausschlag. Komplikationen wie zum Beispiel eine LungenentzĂŒndung, eine EntzĂŒndung der OhrspeicheldrĂŒse und eine Sepsis können hinzukommen.

Menschen mit der Blutgruppe 0 erscheinen besonders gefÀhrdet,cite-ref-swerdlow-1994-16-0[16]cite-ref-harris-2005-17-0[17] solche mit der Blutgruppe AB am wenigsten.

Diagnose

Zur Diagnose fĂŒhren die typischen Beschwerden, die bei einer Person in einem Gebiet mit bekannter Choleragefahr auftreten. Akut erfolgt eine Mikroskopie und Stuhlkultur. Die Anzucht geschieht mittels des Selektivmediums Thiosulfate-Citrate-Bile-Sucrose-Agar (TCBS).cite-ref-merck-18-0[18]cite-ref-19[19] ZusĂ€tzlich können Stuhlproben in alkalischem Peptonwasser (APW) bei pH 8,4 ĂŒber Nacht inokuliert werden. Das Inokulat wird nach 4 bis 8 Stunden Inkubationszeit bei 20 bis 40 °C (ideal 37 °C) auf TCBS ausgestrichen. Eine definitive Labordiagnose erfolgt mit Hilfe von Antiserum.cite-ref-20[20] Weitere Methoden sind unter Nachweise von Vibrio cholerae aufgefĂŒhrt.

Behandlung

Die wichtigste Behandlungsmaßnahme ist der ausreichende Ersatz von FlĂŒssigkeit, Zucker und Salzen. Dieser Ersatz erfolgt am besten intravenös, weil so der entzĂŒndete Magen-Darm-Trakt umgangen wird. In LĂ€ndern der Dritten Welt wird aber auch der von Richard A. Cash und David Nalin entwickeltecite-ref-21[21] orale FlĂŒssigkeitsersatz (WHO-Trinklösung) einfach und erfolgreich praktiziert: Die WHO empfiehlt eine oral zu verabreichende Salz- und Glucoselösung in Wasser.

Komponenten
Natriumcitrat 2,9 g/lcite-ref-oral-rehydration-salts-production-of-the-new-ors-22-0[22]
Natriumchlorid (Kochsalz) 2,6 g/lcite-ref-oral-rehydration-salts-production-of-the-new-ors-22-1[22]
Kaliumchlorid 1,5 g/l

Die optimale Mischung enthÀlt die Lösung Oral Rehydratation Solution, die als Fertigpulver zu kaufen ist.

Die WHO empfiehlt eine Gabe von Antibiotika nur in schweren Verlaufsformen von Cholera.cite-ref-who-preven-23-0[23] Kinder unter 12 Jahren sollten fĂŒr drei Tage Erythromycin erhalten, 12,5 mg/kg viermal tĂ€glich.cite-ref-who-preven-23-1[23] Kinder unter 5 Jahren sollten zudem 20 mg Zink fĂŒr zehn Tage erhalten, bzw. bei Kindern unter 6 Monaten 10 mg.cite-ref-who-preven-23-2[23] FĂŒr Menschen ĂŒber 12 Jahren sollte fĂŒr drei Tage 12,5 mg/kg viermal tĂ€glich Tetrazyklin oder eine einzelne Dosis von 300 mg Doxycyclin verabreicht werden.cite-ref-who-preven-23-3[23] Allerdings sollten Antibiotikumresistenzen bestimmt werden, da in allen Regionen resistente StĂ€mme beschrieben wurden.cite-ref-who-preven-23-4[23] Teilweise werden auch Chinolon-Antibiotika wie Ciprofloxacin und bei Kindern Trimethoprim-Sulfamethoxazolcite-ref-apotheke-cholera-24-0[24] oder bei Kindern und Schwangeren Azithromycin verwendet.cite-ref-cdc-antibiot-25-0[25]

Heilungsaussicht

Bei ausreichender Behandlung liegt die Sterblichkeit der Erkrankten deutlich unter einem von Hundert. Ein erhöhtes Risiko fĂŒr schwere VerlĂ€ufe gibt es bei Menschen mit bestehenden Herz- oder Nierenerkrankungen, Schwangeren oder Menschen mit einer gestörten Magensaftbarriere.cite-ref-epibullbd143639-12-2[12]

Vorbeugung

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Hauptartikel

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Choleraimpfstoff

Zur Vorbeugung empfiehlt sich vor allem die Einhaltung hoher hygienischer Standards, vor allem die Bereitstellung hygienisch einwandfreien Trinkwassers. Eine besonders einfache, aber bislang kaum bekannte Möglichkeit der Trinkwasserdesinfektion ist die Nutzung einer PET-Flasche zur Sonnenlichtaussetzung von Wasser unterschiedlichen Ursprungs. Dieses auch SODIS genannte Verfahrencite-ref-26[26] ist von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in seiner Wirksamkeit anerkannt. Sogar Wasserfilter aus gefaltetem Stoff (z. B. ein alter Sari)cite-ref-27[27] senken das Risiko einer Erkrankung um immerhin fast die HÀlfte, wie Forscher der National Science Foundation um Rita R. Colwell in Bangladesch feststellten.

Die frĂŒhere intramuskulĂ€re Impfung ist als veraltet und wirkungslos zu beurteilen. Neuere Entwicklungen (Schluckimpfung) sind wirksamer und vertrĂ€glicher und schĂŒtzen auch zu einem gewissen Grad vor dem klassischen Reisedurchfall.cite-ref-28[28] Das Robert Koch-Institut verwies 2013 auf die Angaben der WHO, nach denen eine Impfung nicht generell empfohlen wird, jedoch fĂŒr Personen angebracht sein kann, die an HilfseinsĂ€tzen in Epidemiegebieten beteiligt sind.cite-ref-rki-29-0[29] FĂŒr eine Impfung gegen Cholera wird ein Totimpfstoff (inaktivierte Zellen von Vibrio cholerae) verwendet, der oral verabreicht wird. Dieses orale Cholera Vakzin (OCV) wird seit 2012 in einigen Gebieten Haitis in einem Impfprogramm eingesetzt.cite-ref-pmid24106195-30-0[30]

DarĂŒber hinaus ist ein oraler Lebendimpfstoff verfĂŒgbar, bei dem abgeschwĂ€chte Erreger ohne die FĂ€higkeit zur Toxinbildung verabreicht werden. Studien bei Erwachsenen ergaben Schutzraten von rund 80 % zum Zeitpunkt drei Monate nach der Impfung.cite-ref-epibullbd143639-12-3[12]

Meldepflicht

In Deutschland ist Cholera eine meldepflichtige Krankheit nach § 6 Absatz 1 des Infektionsschutzgesetzes. Die namentliche Meldepflicht besteht bei Verdacht, Erkrankung und Tod. Meldepflichtig sind hinsichtlich der Erkrankung die feststellenden Ärzte usw. (§ 8 IfSG).

In Österreich ist Cholera auch eine anzeigepflichtige Krankheit gemĂ€ĂŸ § 1 Absatz 1 Epidemiegesetz 1950. Die Anzeigepflicht bezieht sich auf Verdachts-, Erkrankungs- und TodesfĂ€lle. Zur Anzeige verpflichtet sind unter anderen Ärzte und Labore (§ 3 Epidemiegesetz 1950).

In der Schweiz ist Cholera ebenfalls fĂŒr Ärzte, SpitĂ€ler usw. eine meldepflichtige Krankheitcite-ref-31[31] und zwar nach dem Epidemiengesetz (EpG) in Verbindung mit der Epidemienverordnung und Anhang 1 der Verordnung des EDI ĂŒber die Meldung von Beobachtungen ĂŒbertragbarer Krankheiten des Menschen. Meldepflichtig ist ein positiver laboranalytischer Befund.

Forschungsgeschichte

Seit dem ausgehenden Mittelalter hatte es zwei Haupttheorien ĂŒber die Ausbreitung von Seuchen gegeben: die Miasmentheorie (Übertragung durch ĂŒble DĂŒnste)cite-ref-32[32] und die Kontagionstheorie (Übertragung durch BerĂŒhrung eines Kranken). Die empirischen Befunde bei den ersten Cholera-Epidemien waren fĂŒr die Medizin zunĂ€chst niederschmetternd, weil sie beide Theorien widerlegten. Ein halbes Jahrhundert lang fehlte eine neue Theorie.

Unter der Leitung von Edwin Chadwick wurde 1832 als Reaktion auf erste CholerafĂ€lle in London angeordnet, AbwĂ€sser und Verschlammungen aus den ĂŒbelriechenden AbwasserkanĂ€len in die Themse zu spĂŒlen. Da die Unternehmen, die London mit Trinkwasser versorgten, dieses aber der Themse entnahmen, fĂŒhrte die Maßnahme zur Verseuchung des Trinkwassers und einer Epidemie mit 14.000 Toten. Mitte des 19. Jahrhunderts gab es noch weitere große Cholera-Epidemien auf dem Festland und in Großbritannien.

Joseph Griffiths Swayne,cite-ref-33[33] Frederick Brittancite-ref-34[34] und William Budd (1811–1880)cite-ref-35[35]cite-ref-36[36] untersuchten Abwasser und fanden Komma-förmige Mikroorganismen.cite-ref-37[37] 1849 legten die englischen Ärzte John Snow und William Budd eine Abhandlung vor, in der sie die Auffassung vertraten, dass Cholera von lebenden Organismen im Trinkwasser hervorgerufen wĂŒrde.cite-ref-38[38] Diese Hypothese konnte sich jedoch nur langsam durchsetzen.cite-ref-39[39]

Filippo Pacini beschrieb 1854 das Komma-förmige Bakterium Vibrio cholerae als Erreger der Cholera. Er war mit seiner Vermutung eines Mikroorganismus als Auslöser der Cholera nicht allein. John Snow untersuchte 1854 erneut die Übertragung der Cholera ĂŒber verschmutztes Trinkwasser. Zusammen mit Arthur Hill Hassall berichtete er im gleichen Jahr in London dem Medical Council of the General Board of Health, dass die Hypothese Pacinis eine ernstzunehmende Überlegung sei, wĂŒrden doch in den charakteristischen reiswasserartigen Ausscheidungen der Kranken „Myriaden von Vibrionen“ wimmeln.cite-ref-40[40]

1855 zeigte Snow in seiner „East“-Studie, dass die schwere Cholera-Epidemie des SpĂ€tsommers 1854 im Londoner Stadtteil Soho ihre Ursache in verunreinigtem Trinkwasser aus einer Pumpenanlage in der Broad Street hatte. Hassall untersuchte auf Wunsch von John Snow das Wasser der Pumpenanlage und der Themsecite-ref-41[41] und die Stuhlproben der Patienten und fand in allen FĂ€llen Cholera-Erreger.cite-ref-42[42] Wichtig wurde dann aufgrund der Wiederkehr der Seuche der Bau des großen Londoner Abwassernetzes unter Joseph Bazalgette. In „Cholera-Zeitungen“ wurden die Maßnahmen gegen die Cholera verkĂŒndet. Sie enthielten auch lange Namenslisten der an Cholera Erkrankten und Verstorbenen.cite-ref-43[43]

Pacinis Hypothese, dass die Cholera durch Mikroorganismen hervorgerufen wĂŒrde, konnte schließlich nach der Entdeckung des Ansteckungsmechanismus durch Robert Koch zusammen mit Bernhard Fischer und Georg Gaffky bewiesen werden. In Kalkutta zĂŒchteten sie im Januar 1884 den Erreger aus dem Darm verstorbener Patienten in Reinkultur.cite-ref-44[44] Dass ein Enterotoxin der Auslöser der Cholera ist, wurde erst 1959 von Sambhu Nath De entdeckt.

Cholera-Pandemien

Eine Krankheit, die nach heutigem Wissensstand möglicherweise die Cholera war, wurde seit etwa 600 v. Chr. im Gangestal in Indien beobachtet. Es wird vermutet, dass der Krankheitserreger permanent in einigen WasserlĂ€ufen vorkam, aber ĂŒber einen langen Zeitraum periodisch in einer vergleichsweise milden und jeweils lokal begrenzten Form auftrat.cite-ref-p-alcabes-s-58-45-0[45]

1817 bis 1923

Abgesehen von Epidemien (regional begrenzte Ausbreitung der Krankheit) lassen sich seit 1817 sechs Pandemien (lĂ€nder- und kontinentĂŒbergreifende Ausbreitung) unterscheiden:

‱ 1. Pandemie (1817–1824): Teile Asiens sind betroffen, ebenso Ostafrika, ab 1823 Kleinasien und in der Folge Russland und Europa. Philip Alcabes stellt die erste Pandemie, die im Zeitraum von 1817 bis 1824 auftrat, in Zusammenhang mit den Verwerfungen auf dem indischen Subkontinent, die in Folge des Einflussgewinns der Britischen Ostindien-Kompanie auftrat. Hungersnöte und kriegerische Auseinandersetzungen fĂŒhrten zu grĂ¶ĂŸeren Migrationsbewegungen innerhalb des Kontinents und schufen auf Grund der damit einhergehenden, sich verschlechternden Lebensbedingungen der indischen Bevölkerung die Voraussetzung, dass sich die Krankheit zunĂ€chst weitrĂ€umig auf dem indischen Subkontinent und von da ausgehend nach Westeuropa und Russland ausbreiten konnte.cite-ref-p-alcabes-s-58-45-1[45] Gillen D’Arcy Wood sieht als maßgebliche Voraussetzung der Verbreitung den drastischen Klimawandel in den Jahren 1815–1818, der durch den Ausbruch des Tambora, eines Vulkans auf Sumbawa, Indonesien, verursacht wurde.cite-ref-46[46] Auf welchen Weg der Erreger von Indien aus in andere Weltregionen gelangte, ist nicht vollstĂ€ndig geklĂ€rt. Da der Erreger fĂŒr mehrere Tage in WasserbehĂ€ltern ĂŒberleben kann, gilt als sehr wahrscheinlich, dass der Erreger ĂŒber Handelsrouten weiter verbreitet wurde. Zwischen 1820 und 1822 erreichte der Erreger die arabische Halbinsel ĂŒber Schiffsverbindungen und Afghanistan und Persien ĂŒber Karawanenwege. Der Ausbruch in Maskat im Jahr 1821 geht auf britische Truppenbewegungen zurĂŒck, die mit dem Erreger entweder in Indien oder Afghanistan in Kontakt kamen. Von Maskat aus verbreitete sich der Erreger entlang der Handelswege des arabischen Sklavenhandels bis in den Nordosten Afrikas.cite-ref-p-alcabes-s-59-47-0[47]

‱ 2. Pandemie (1826–1841): Die Epidemie breitet sich von Mekka nach Ägypten und Europa aus. Um 1830 brachten die gegen den polnischen Novemberaufstand zusammengezogenen russischen Truppen von der indischen Grenze die Krankheit erstmals nach Europa und wenig spĂ€ter nach Nordamerika. In den baltischen KĂŒstengebieten und in Warschau brach Cholera ab 1830 aus. Von dort gelangte der Erreger nach Großbritannien, Deutschland und Österreichcite-ref-48[48]cite-ref-49[49] (1831), Frankreich (1832), in die Niederlande (1832) und die USA (1832). Zu den Choleratoten zĂ€hlen Hegel, Clausewitz, Gneisenau, Diebitsch, Langeron, Perier, Georges Cuvier, Kyselak u. v. a. Betroffen waren jedoch vorwiegend die einkommensschwachen Bevölkerungsschichten. Im Juli 1832 starben tĂ€glich Dutzende Einwohner von New York. 95 Prozent dieser Todesopfer wurden in ArmengrĂ€bern beigesetzt.cite-ref-p-alcabes-s-59-47-1[47] Binnen weniger Jahre wurden fast alle europĂ€ischen LĂ€nder von verheerenden Seuchenwellen heimgesucht. In Wien forderte die Cholera von Mitte August bis zum Dezember 1831 rund 2000 Tote, eine zweite Welle erfasste Wien von Juni bis September 1832. Ursache war zum einen das enorme Wachstum der Stadt, womit die Wiener Wasserversorgung nicht Schritt halten konnte, zum anderen das Donauhochwasser 1830, das viele Senkgruben ĂŒberflutete und damit das Grundwasser verseuchte. Dies fĂŒhrte zum Bau der Wienfluss-SammelkĂ€nĂ€le, der sog. CholerakanĂ€le.

‱ 3. Pandemie (1852–1860): Die Epidemie betrifft einen Teil Asiens, den Maghreb (insbesondere Algerien) und Europa. Es kam zu mehr als einer Million TodesfĂ€llen in Russland. Im Krimkrieg (1853–1856) kamen auf beiden Seiten mehr Soldaten durch die Cholera um als in Kampfhandlungen. So starben u. a. der britische Oberbefehlshaber Lord Raglan und der Befehlshaber der französischen Flotte, Armand Joseph Bruat, an der Krankheit. 1854 brach die Epidemie auch in London und Teilen SĂŒddeutschlands (darunter in MĂŒnchen) aus. Max Pettenkofer (Miasmentheorie), der im Gegensatz zu Kontagionisten wie Franz X. Gietl noch 1881 zur Gruppe gehörte, die vor allem Disposition und Konstitution fĂŒr die Entstehung der Cholera verantwortlich machten, berichtete 1854 ĂŒber den Verlauf und die Verbreitung der Cholera und schlug vor, die Bodenverunreinigung zu bekĂ€mpfen.cite-ref-50[50] In Wien wurde 1854 der Dichter Ferdinand Sauter erstes Opfer eines weiteren Ausbruchs nach der Choleraepidemie 1830/1831. In MĂŒnchen starb ebenfalls 1854 der Historiker Johann BartholomĂ€us Goßmann. Im Königreich Bayern forderte diese Pandemie in den Jahren 1854 und 1855 insgesamt 7404 Todesopfer, davon 2223 Personen in MĂŒnchen (ohne VorstĂ€dte) – das waren rund zwei Prozent der damaligen Einwohner. Prozentual die höchste Todesrate hatte Kienberg, heute ein Ortsteil des oberbayerischen Rennertshofen, wo 27 der 93 Einwohner im Oktober 1854 starben.cite-ref-51[51] In der Schweizer Gemeinde Binningen starben 1855 gemĂ€ĂŸ dem Bericht des dortigen Pfarrers Jonas Breitenstein innerhalb von zwei Monaten 26 der damals gut 1200 Einwohner.cite-ref-52[52]

‱ 4. Pandemie (1863–1876): Über Nordeuropa, nach Belgien im Jahre 1866, dann Frankreich und schließlich Nordafrika und SĂŒdamerika. WĂ€hrend des Preußisch-Österreichischen Kriegs (1866) brach die Seuche im preußischen Heer aus und kostete 3139 Soldaten das Leben. Mit dem Truppenvormarsch verbreitete sich die Cholera in Niederösterreich. Am 27. Juli 1866 wurde ein weiterer Cholerafall in Wien entdeckt. Am 24. August 1866 begann dort eine Epidemie, die bis zum 23. November desselben Jahres 1869 Tote in der Stadt verursachte. In der Umgebung waren rund 4000 Opfer zu beklagen. Im ĂŒbrigen Niederösterreich kam es in 490 Ortschaften zu geschĂ€tzten 23.000 Choleraerkrankungen; es starben etwa 8000 Menschen. – Diese Cholerawelle erfasste auch in Deutschland StĂ€dtecite-ref-53[53] und Regionen, die bislang weniger betroffen waren. In Sachsencite-ref-54[54] und ThĂŒringencite-ref-55[55] verbreitete sich die Krankheit 1865/66; in Erfurt starben dabei fast 1000 Menschen, in Apolda 200 und erstmals auch in Weimar etwa 70.cite-ref-56[56] In den Jahren 1855 und 1867 starben in der Stadt ZĂŒrich in Folge prekĂ€rer hygienischer VerhĂ€ltnisse in vielen Wohnungen ca. 500 Menschen an Cholera.cite-ref-57[57]

Die letzte schwere Choleraepidemie in Wien fiel in das Weltausstellungsjahr 1873. Von Juli bis Oktober starben 2.983 Menschen (in der gesamten Monarchie belief sich die Zahl der Opfer auf fast eine halbe Million). 1874 gab es Choleraerkrankungen in einem Erdberger Wohnhaus.

‱ 5. Pandemie (1883–1896): Die Epidemie breitet sich von Indien nach Osten und Westen auf mehrere Kontinente aus. Um 1892 grassierte die Cholera in Afghanistan und gelangte nach Russland. In Hamburg kam es in diesem Jahr zu einer letzten großen Epidemie. Robert Koch vermutete bei der Cholera-Epidemie von 1892, dass russische Amerika-Auswanderer sie mit in die deutsche Hafenstadt gebracht hĂ€tten. Es gibt jedoch auch Zweifel an dieser Hypothese, da die ersten CholerafĂ€lle unter Einheimischen diagnostiziert wurden. Durch die fehlende AufklĂ€rung der Bevölkerung und zu wenig KlĂ€ranlagen wurde der Ausbruch des Erregers begĂŒnstigt. Allein in Hamburg starben mehr als 8600 Personen. In Istanbul kam es 1893 zu einer Epidemie, die von AndrĂ© Chantemesse im Auftrag von Louis Pasteur, der von dem Sultan Abdulhamid II. um Rat gefragt wurde, als Cholera-Epidemie identifiziert wurde (Chantemesse erstellte dazu einen Bericht, der auch auf die Notwendigkeit einer neuen Medizinschule hinwies, woraufhin erstmals die Idee zur GrĂŒndung der Haydarpaßa Medizin-FakultĂ€t aufkam).cite-ref-58[58]cite-ref-59[59]

‱ 6. Pandemie (1899–1923): Aus Asien kommend gelangte die 6. Pandemie nach Russland und breitete sich dann nach Mittel- und Westeuropa aus.

Neben diesen Pandemien gab es gravierende lokale Epidemien. Allein Berlin wurde in 42 Jahren zwischen 1831 und 1873 dreizehnmal von der Cholera heimgesucht. In ganz Preußen waren die Epidemien von 1848/49, 1852, 1855 und 1866 besonders schwer; bei der letztgenannten starben offiziell 114.683 Menschen an der Cholera. FlĂ€chendeckend wurde Deutschland zum letzten Mal im Jahre 1873 von der Cholera erfasst. In SĂŒddeutschland hatte vor allem MĂŒnchen schwer zu leiden.cite-ref-60[60] Wien erlebte weitere Epidemien in den Jahren 1836 und 1849. Insgesamt kosteten in der Periode 1831–1873 Choleraepidemien rund 18.000 Wienerinnen und Wienern das Leben. Auf 100.000 Einwohner kamen etwa im Jahr 1836 rund 690, 1866 510 und 1873 430 CholerasterbefĂ€lle.cite-ref-61[61] Ein Cholera-Ausbruch 1848/1849 war in London weit schwerwiegender als der Choleraausbruch 1832/1832. WĂ€hrend dieses Ausbruchs starben in London 15.000 Menschen, mehr als 0,5 Prozent bei einer damaligen Stadtbevölkerung von etwa 2,5 Millionen. In der ersten Woche des September 1849 starben 300 Menschen pro Tag.cite-ref-62[62]

Seit 1961 die 7. Pandemie

Die WHO spricht bei den seit 1961 aufgetretenen AusbrĂŒchen, teilweise in Form von Epidemien, von der 7. Pandemie. Sie sei die lĂ€ngste derzeit (Stand Februar 2019) grassierende Pandemie.cite-ref-63[63] Von Indonesien aus gelangte die Epidemie in die Sowjetunion und dann nach Mittel- und Westeuropa. Auslöser ist der Subtyp El Tor des Vibrio cholerae.

Die letzte grĂ¶ĂŸere Epidemie des 20. Jahrhunderts breitete sich in Peru 1991 aus. Am 9. Februar rief die peruanische Regierung den nationalen Notstand aus, trotzdem trat die Epidemie auch in Ecuador, Kolumbien, Mexiko und Nicaragua auf. Von den rund 400.000 damals in SĂŒdamerika Erkrankten starben etwa 12.000.

Eine wÀhrend des Ruanda-Krieges ausgelöste Cholera-Epidemie forderte im Jahr 1994 ungefÀhr 40.000 Opfer.cite-ref-64[64]

Im Jahr 2007 breitete sich eine Cholera-Epidemie in weiten Teilen Iraks aus, rund 4.700 Menschen erkrankten. Weltweit wurden im Jahr 2007 177.963 Cholera-Erkrankungen gemeldet, der Anteil tödlicher VerlÀufe an allen der WHO gemeldeten CholerafÀllen betrug 2,3 Prozent.cite-ref-65[65]

Anfang Dezember 2008 wurde in Simbabwe der nationale Notstand infolge einer schweren Cholera-Epidemie ausgerufen, da das Land die zu diesem Zeitpunkt 18.000 VerdachtsfĂ€lle nicht mehr selbst versorgen konnte.cite-ref-66[66] Die Epidemie breitete sich auf den benachbarten Grenzgebiets-Distrikt Vhembe von SĂŒdafrika aus, wo mehr als 500 Erkrankungen registriert wurden. Er wurde am 11. Dezember 2008 zum Katastrophengebiet erklĂ€rt.cite-ref-67[67] Nur einen Tag spĂ€ter erklĂ€rte Simbabwes PrĂ€sident Mugabe die Cholera-Epidemie in seinem Land fĂŒr beendet, obwohl zum damaligen Zeitpunkt nach Angaben der unabhĂ€ngigen Hilfsorganisation Oxfam noch mindestens 60.000 Menschen an der Krankheit litten.cite-ref-68[68] Nach Angaben der Vereinten Nationen sind seit dem Ausbruch der Epidemie im August 2008 mittlerweile fast 98.000 Menschen in Simbabwe an Cholera erkrankt, ĂŒber 4.200 kamen ums Leben (Stand: 7. Mai 2009).cite-ref-69[69]

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Choleraepidemie in Haiti ab 2010

Ende Oktober 2010 rief Haiti nach dem Ausbruch von Cholera-Erkrankungen den sanitĂ€ren Notstand aus.cite-ref-70[70] Die Infektionen traten zunĂ€chst in der lĂ€ndlichen Provinz Artibonite, nördlich der Hauptstadt Port-au-Prince, auf. Am 9. November 2010 wurden erstmals Cholera-Erkrankungen in der Hauptstadt gemeldet. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits mehr als 550 Menschen an der Krankheit gestorben, mehr als 8000 Haitianer waren infiziert.cite-ref-71[71] Anfang des Jahres 2010 hatte ein schweres Erdbeben die Region erschĂŒttert. Nach der Katastrophe waren mehr als 500.000 Menschen an Cholera erkrankt und ĂŒber 7.000 gestorben.cite-ref-72[72] Seit Beginn der Regenzeit 2012 hat sich die Situation erneut verschĂ€rft. Nach Angaben von Ärzte ohne Grenzen hat sich die Zahl der Patienten in weniger als einem Monat mehr als verdreifacht.cite-ref-73[73] Grund hierfĂŒr war ein Bakterium, das von nepalesischen UNO-Soldaten eingeschleppt wurde.

Zwischen dem 30. Mai und dem 6. Juni 2011 berichtete die Ukraine der WHO von 14 Cholera-FĂ€llen.cite-ref-74[74]

Am 2. Juli 2012 wurden aus dem ostkubanischen Manzanillo 53 Cholera-Erkrankungen und drei TodesfĂ€lle gemeldet.cite-ref-75[75] Am 28. August bezeichnete das kubanische Gesundheitsministerium den Cholera-Ausbruch fĂŒr beendet. Demzufolge gab es insgesamt 417 bestĂ€tigte FĂ€lle. Neben der Provinz Granma, wo ein Großteil der Erkrankungen registriert wurden, gab es noch vereinzelte FĂ€lle in den Provinzen Santiago de Cuba, GuantĂĄnamo und in der Hauptstadt Havanna. Es sei jedoch bei den drei TodesfĂ€llen geblieben.cite-ref-76[76] Nichtoffiziellen Berichten zufolge gab es jedoch allein in der Provinz Granma mindestens 15 Tote.cite-ref-77[77] Nur einen Monat nachdem die Epidemie fĂŒr beendet erklĂ€rt worden war, gaben die Behörden neun neue CholerafĂ€lle in der Provinz Granma bekannt.cite-ref-78[78] Infolge des Hurrikans Sandy gab es gemĂ€ĂŸ offiziell nicht bestĂ€tigten Meldungen ein erneutes starkes Ansteigen der Neuinfektionen. Schwerpunkt der Epidemie waren diesmal die Provinzen Santiago de Cuba und GuantĂĄnamo sowie EinzelfĂ€lle in der Provinz HolguĂ­n.cite-ref-79[79] Im Januar 2013 mussten die kubanischen Behörden auch 51 FĂ€lle in Havanna zugeben,cite-ref-80[80] nachdem unabhĂ€ngige Quellen schon lĂ€nger davon berichteten und von einer weit höheren Zahl der Betroffenen ausgingen.cite-ref-81[81]

Im August 2012 rief die Regierung von Sierra Leone wegen einer Cholera-Epidemie den nationalen Notstand aus. Laut dem AuswĂ€rtigen Amt in Berlin gab es ĂŒber 10.000 Erkrankte und mehrere hundert Tote. In der Hauptstadt Freetown und der Umgebung sollen seit Beginn des Jahres 176 Menschen an der Krankheit gestorben sein.cite-ref-82[82]

Ab September 2013 trat die Cholera auch in Mexiko auf. Bis Mitte Oktober wurden 171 FĂ€lle registriert, davon 157 im Bundesstaat Hidalgo. Ein Betroffener ist gestorben. Der Cholera-Erreger weist laut WHO eine 95-prozentige Ähnlichkeit mit den in Haiti, der Dominikanischen Republik und in Kuba gefundenen Varianten auf.cite-ref-83[83]

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Hauptartikel

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Cholera im Jemen seit 2016

Im September beziehungsweise Oktober 2016 kam es zu einem ersten Ausbruch der Cholera im Jemen. Ab 24. April 2017 gab es im Jemen nach Bericht der WHO einen rasanten Anstieg um mehr als 23.000 neue Cholera-VerdachtsfĂ€lle.cite-ref-84[84] Ende Juni 2017 waren laut Angaben der WHO bereits 200.000 Menschen infiziert und mehr als tausend Menschen an der Infektionskrankheit gestorben.cite-ref-85[85] Anfang November 2017 waren im Jemen 900.000 Menschen erkrankt.cite-ref-86[86] Im Dezember 2017 wurde nach Angaben des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz die Marke von einer Million VerdachtsfĂ€llen ĂŒberschritten, die Weltgesundheitsorganisation nennt knapp unter einer Million, davon mehr als 2200 TodesfĂ€lle.cite-ref-87[87] Es gilt als der grĂ¶ĂŸte bekannte Cholera-Ausbruch in der Geschichte der Menschheit.cite-ref-88[88] Bis zum 30. April 2019 wurden 1.702.246 VerdachtsfĂ€lle auf Cholera und 3.438 bestĂ€tigte TodesfĂ€lle erfasst.cite-ref-89[89]

Seit August 2025 ist im Bezirk Bukkuyum im nigerianischen Bundesstaat Zamfara ein Choleraausbruch zu verzeichnen. Nach Angaben lokaler Behörden und Anwohner forderte die Epidemie bislang mindestens acht Todesopfer und fĂŒhrte zu mehr als 200 Infektionen in insgesamt elf Gemeinden.cite-ref-90[90]

Rezeption in Kunst und Kultur

Die russische Krankenschwester Jekaterina Kuskowa, die 1892 in der Region Saratow eingesetzt war, beschrieb die von ihr beobachteten postmortalen Symptome:

„Das Schlimmste an dieser Krankheit waren die KrĂ€mpfe in den Beinen, die nach dem Tod eintraten. Der Mensch ist schon gestorben, er liegt da mit schwarzen Lippen, und drei bis vier Stunden lang verkrampfen sich noch die Beine.“

–

Jekaterina Kuskowa (1892)

Der 1951 erschienene Roman Der Husar auf dem Dach von Jean Giono spielt 1832 in der Provence, in welcher eine Cholera-Epidemie wĂŒtet. Das Buch wurde 1995 von Jean-Paul Rappeneau mit Juliette Binoche in der weiblichen Hauptrolle verfilmt.

Literatur

‱ Alexander Bartl: Walzer in Zeiten der Cholera. Eine Seuche verĂ€ndert die Welt. HarperCollins, Hamburg 2021, ISBN 978-3-7499-0238-5.
‱ Axel Stefek (Hrsg.) u. a.: Cholera und trĂŒbes Wasser. Die Folgen der ĂŒberholten Infrastruktur. In: Wasser unter der Stadt. BĂ€che, KanĂ€le, KlĂ€ranlagen. Stadthygiene in Weimar vom Mittelalter bis zum 20. Jahrhundert. Abwasserbetrieb Weimar, Weimar 2012, S. 83–91.
‱ Myron Echenberg: Africa in the Time of Cholera. A History of Pandemics from 1817 to the Present. Cambridge University Press, New York 2011, ISBN 978-0-521-18820-3.
‱ Charlotte E. Henze: Disease, Health Care and Government in Late Imperial Russia: Life and Death on the Volga, 1823–1914. Routledge, Oxon (UK) 2011, ISBN 978-0-415-54794-9.
‱ Ernst Visser: Urban Developments in the Time of Cholera: Vienna 1830–1850. Dissertation, Central European University – History Department, Budapest 2011.
‱ Neil E. Gibson (Kommentator): A single dose of azithromycin was more effective than ciprofloxacin for severe cholera in men in Bangladesh. In: Evidence-Based Medicine, Nr. 11, 2006, S. 181, doi:10.1136/ebm.11.6.181.
‱ Steven Johnson: The Ghost Map. The Story of London’s Most Terrifying Epidemic – and How It changed Science, Cities, and the Modern World. Riverhead Books, New York 2006, ISBN 1-59448-925-4.
‱ Gerold Schmidt: „Cholera-Zeitungen“ von 1831 bis 1832 als biographisch-genealogische Quelle. In: Genealogie. Deutsche Zeitschrift fĂŒr Familienkunde. Nr. 46, 1997, S. 708–736.
‱ Barbara Dettke: Die asiatische Hydra. Die Cholera von 1830/31 in Berlin und den preußischen Provinzen Posen, Preußen und Schlesien. De Gruyter, Berlin 1995, ISBN 3-11-014493-X (eingeschrĂ€nkte Buchvorschau auf GoogleBooks.).
‱ Richard J. Evans: Tod in Hamburg. Stadt, Gesellschaft und Politik in den Cholera-Jahren 1830–1910. Rowohlt, Reinbek 1990, ISBN 3-498-01648-2.
‱ Emil Schultheiß, Louis Tardy: Short history of epidemics in Hungary until the Great Cholera Epidemic of 1831 (on the basis of historical sources). In: Centaurus. Band 11, 1966, S. 279–301.
‱ Kurt Fricke: Der Kampf gegen die Cholera in Halle (Saale). In: RĂŒdiger Fikentscher (Hrsg.): Seuchenfolgekulturen in Europa. Mitteldeutscher Verlag, Halle 2022, ISBN 978-3-96311-690-2, S. 163–181.
‱ Sabine Diemer: Ein tödlicher Gast. Die Cholera in Köln. In: Thomas Deres (Hrsg.): krank/gesund – 2000 Jahre Krankheit und Gesundheit in Köln; [anlĂ€sslich der Ausstellung des Kölnischen Stadtmuseums "Krank/Gesund – 2000 Jahre Krankheit und Gesundheit in Köln" vom 27.8. bis 6.11.2005]. Kölnisches Stadtmuseum, Köln 2005, ISBN 3-927396-97-4, S. 168–183.

Weblinks

Wiktionary: Cholera

– BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Commons

: Cholera

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Wikisource: Cholera

– Quellen und Volltexte

Wikinews: Stichwort Cholera

– in den Nachrichten

‱ Cholera – Informationen des Robert Koch-Instituts
‱ Cholera. Vibrio cholerae. Österreichische Agentur fĂŒr Gesundheit und ErnĂ€hrungssicherheit GmbH, kurz AGES, 3. Februar 2020; abgerufen am 18. MĂ€rz 2020.
‱ Literatur zum Thema Cholera im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek

Einzelnachweise

cite-note-11. ↑ Ulrike Roll: Cholera. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): EnzyklopĂ€die Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin / New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 257–258.
cite-note-22. ↑ Institut fĂŒr EuropĂ€ische Kulturgeschichte der Uni Augsburg: Pandemien in der Geschichte.
cite-note-33. ↑ Karl Wurm, A. M. Walter: Infektionskrankheiten. In: Ludwig Heilmeyer (Hrsg.): Lehrbuch der Inneren Medizin. Springer-Verlag, Berlin/Göttingen/Heidelberg 1955; 2. Auflage ebenda 1961, S. 9–223, hier: S. 142–144 (Cholera).
cite-note-44. ↑ Cholera im Wien Geschichte Wiki der Stadt Wien
cite-note-55. ↑ Manfred Vasold: Die Sterblichkeit in NĂŒrnberg im 19. Jahrhundert. LebensumstĂ€nde, Krankheit und Tod (um 1800 bis 1913). In: WĂŒrzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 25, 2006, S. 241–338, hier: S. 277.
cite-note-66. ↑ siehe auch Johann Heyfelder: Beobachtungen ĂŒber die Cholera asiatica. 1832; Textarchiv – Internet Archive.
cite-note-77. ↑ Ronald D. Gerste: Die Heilung der Welt. Das Goldene Zeitalter der Medizin 1840-1914. Klett-Cotta, Stuttgart 2021, S. 140–147.
cite-note-88. ↑ Ulrike Roll: Cholera. In: EnzyklopĂ€die Medizingeschichte. Berlin / New York 2005, S. 258.
cite-note-real-academia-de-la-historia-2018-99. ↑ Real Academia de la Historia (Hrsg.): Joaquín Balcells y Pasqual. 2018, Auf: dbe.rah.es (spanisch).
cite-note-1010. ↑ Col·legi Oficial de Metges de Barcelona (Hrsg.): Joaquim Balcells i Pascual, 2015, galeriametges.cat (katalanisch).
cite-note-1111. ↑ da Costa SimĂ”es, AntĂłnio Augusto, de Macedo Pinto, JosĂ© Ferreira: RelatĂłrio da Direcção do Hospital de Cholericos de N.S. da Conceição em Coimbra. Imprensa da Universidade, Coimbra 1856 (portugiesisch, Katalog der Bibliothek der UniversitĂ€t Coimbra, die das Werk im Bestand hat).
cite-note-epibullbd143639-1212. ↑ J. Schmidt-Chanasit, O. Wichmann, U. Wiedermann, F. Zepp, G. Burchard et al.: Empfehlungen der StĂ€ndigen Impfkommission (STIKO) und der Deutschen Gesellschaft fĂŒr Tropenmedizin, Reisemedizin und Globale Gesundheit e. V. (DTG) zu Reiseimpfungen. In: Epidemiologisches Bulletin. 2023, Band 14, S. 1–194, doi:10.25646/11201 S. 36–39
cite-note-1313. ↑ Nina GubensĂ€k, Theo Sagmeister, Christoph Buhlheller, Bruno Di Geronimo Gabriel E. Wagner, Lukas Petrowitsch, Melissa A. GrĂ€wert, Markus Rotzinger, Tamara M. Ismael Berger, Jan SchĂ€fer, Isabel UsĂłn, Joachim Reidl, Pedro A SĂĄnchez-Murcia, Klaus Zangger, Tea Pavkov-Keller: Vibrio cholerae’s ToxRS bile sensing system. doi:10.7554/eLife.88721.
cite-note-1414. ↑ Matthias Hornef: Vibrionen, Aeromonas. In: Sebastian Suerbaum, Gerd-Dieter Burchard, Stefan H. E. Kaufmann, Thomas F. Schulz (Hrsg.): Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie. 9. Auflage. Berlin 2020 S. 339.
cite-note-1515. ↑ Anna Philine Schlagberger: Die Vorstellungen und das Wissen von der Wirkweise des Choleraerregers Vibrio cholerae im Wandel der Zeit. Dissertation. Ludwig-Maximilians-UniversitĂ€t zu MĂŒnchen, MĂŒnchen 2009 (Volltext als PDF; 1,6 MB (PDF; 1,6 MB) ).
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cite-note-merck-1818. ↑ Datenblatt TCBS-Agar zur Isolierung und SelektivzĂŒchtung von Vibrio cholera bei Merck, abgerufen am 21. Januar 2011.
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cite-note-2727. ↑ Cholera – ein mörderisches Bakterium ist wieder unterwegs. (Einfaches Hilfsmittel, um der Cholera vorzubeugen: Wasserfilter aus gefaltetem Stoff) Auf: gesundheitxxl.com, 5. Dezember 2010; abgerufen am 12. November 2020.
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cite-note-3131. ↑ Meldepflichtige ĂŒbertragbare Krankheiten und Erreger. (PDF; 114 kB) Übersicht Meldepflicht 2020. Bundesamt fĂŒr Gesundheit BAG, Abteilung Übertragbare Krankheiten, 23. Januar 2020, abgerufen am 8. MĂ€rz 2020 (Schweizer Hochdeutsch, Flyer mit tabellarischer Übersicht).
cite-note-3232. ↑ Noch bis in die 1830er Jahre wurde der Herbstnebel fĂŒr die Übertragung verantwortlich gemacht. In vielen Haushalten vermied man FrĂŒchte, weil der Verdacht im Raum stand, dass sie die Infektion auslösten. (The Times vom 14. August 1879, S. 9)
cite-note-3333. ↑ Joseph Griffiths Swayne, wikisource.
cite-note-3434. ↑ Michael Whitfield: The Bristol Microscopists and the Cholera Epidemic of 1849 (= Avon Local History and Archaeology.). ALHA Books, Bristol 2011.
cite-note-3535. ↑ wikisource William Budd
cite-note-3636. ↑ J. G. Swayne; W. Budd: An account of certain organic cells in the peculiar evacuations of cholera. In: Lancet. Band 54, 1849, S. 398–399.
cite-note-3737. ↑ P.E. Brown: John Snow – the autumn loiterer. S. 519–528, online (PDF; 127 kB)
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cite-note-4242. ↑ Amanda J. Thomas: The Lambeth Cholera Outbreak of 1848–1849: The Setting, Causes, Course and Aftermath of an Epidemic in London. McFarland, Jefferson NC 2010, ISBN 978-0-7864-5714-4, S. 37 f.
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cite-note-4444. ↑ Norman Howard-Jones: Robert Koch and the cholera vibrio: a centenary. In: British medical journal. (Clinical research ed.). Band 288, Nr. 6414, Februar 1984, S. 379–381, ISSN 0267-0623, PMID 6419937, PMC 1444283 (freier Volltext).
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cite-note-4646. ↑ Gillen D’Arcy Wood: Vulkanwinter 1816, die Welt im Schatten des Tambora. (Originaltitel: Tambora, The Eruption That Changed the World. Princeton University Press, Princeton NJ 2014, ĂŒbersetzt von Heike Rosbach und Hanne Henninger). Theiss, Darmstadt 2015, ISBN 978-3-8062-3015-4, S. 92–120.
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